Freitag, 28. Oktober 2016

DER HERBST - von Gustav Sack


DER  HERBST  
 von Gustav Sack  (1885- 1916)
So komm, du wilder West, 
und sing geheimnisvoll und runenkundig 
in meinen Kiefern und Wacholderbüschen 
das uralt düstere Jahreslied des Todes! 
Und reiß aus meinem Herz des Sommers Freuden, 
reiß sie gleich müd gewordenen Blättern ab, 
auf daß mein Fuß sie raschelnd von sich stoße. 
So wie von jenem Ahorn taumelnd dort 
die schwarzgefleckten Blätter landwärts wirbeln, 
laß all des Sommers gaukelnde Gestalten 
zu krausen Scharen windgewiegt 
ins graue Land Vergessenheit hinflattern! 
Und dann, oh West, oh wilder West, 
saug aus des Weltmeers weitgeebbten Brüsten 
dir Sturmeskräfte hoch und schleudere mich 
hohnlachend jenen Spukgestalten nach 
und brause, laut aus vollen Lungen tobend, 
über das Sommerglück, das du zerstört ! 







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