Samstag, 21. Mai 2016

SEHNSUCHT EINES LIEBENDEN von Johann Aloys Blumauer







SEHNSUCHT  EINES  LIEBENDEN

von  Johann Aloys Blumauer

Immerdar mit leisem Weben
 Schwebt dein süsses Bild vor mir,
 Und ein liebesehnend Beben
 Zittert durch die Seele mir.


 Weg aus deinem Zauberkreise,
 Wo du mich so fest gebannt,
 Zog durch eine weite Reise
 Mich die Freundschaft auf das Land.


 Hier im Mutterarm der schönen
 Allerfreuenden Natur,
 Fehlt zum Allgenuß des Schönen,
 Herrliche! dein Kuß mir nur.


 Halbgenossen glitscht die Freude
 Ueber meinem Herzen hin,
 Die Natur im Frühlingskleide
 Seh' ich nur mit halbem Sinn.


 Todt sind ohne dich die Fluren,
 Eine Wüste die Natur,
 An den Bäumen find' ich Spuren
 Meiner heissen Sehnsucht nur.


 Wenn ein liebesehnend Drücken
 Mich hinaus in's Freie zieht,
 Such' ich oft des Berges Rücken,
 Der dich meinem Aug' entzieht;


 Bleibe dann, wie eine Büste,
 Starr nach dir hinsehend, steh'n,
 Seh' und seh', und mein, ich müßte
 Dich zu mir herüber seh'n,


 Aber still heraufgegangen
 Kommt der Mond statt deiner dann,
 Und ein inniger Verlangen
 Flammt in meiner Brust sich an.


 Hin, ach, hin zu seinen Höhen
 Möcht' ich fliegen, und auf dich,
 Ach auf dich herniedersehen,
 Und hernieder schwingen mich.







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