Sonntag, 3. April 2016

DAS LIEBE NEST - Gesammelte Kindergedichte von Paula Dehmel - Erster Teil (b)



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Erster Teil   (b)


ES  REGNET

Es regnet, es regnet
der Kuh auf den Schwanz;
es regnet, es regnet
der Braut in den Kranz.
Es regnet, es regnet,
die Welt ist schon naß;
hol 's Töpfchen,
fang 's Tröpfchen,
dann sag ich dir was:
Wäscht du die Nase,
bleibt sie fein grade.
Wäscht du das Mündchen,
bist du 'n lieb Kindchen.
Wäscht du aber die Augen schön,
kannst du dem lieben Herrgott seinen Himmel besehn.


Trösterchen

Blümchen hängt das Köpfchen,
der Tau ist ihm zu schwer;
kommt der durstige Morgenwind,
trägt die Tropfen ins Meer.
Spätzchen piepst und bettelt,
das Kröpfchen ist ihm leer;
Pferdchen hat die Krippe voll,
streut Körnerchen umher.
Kindchen weint noch immer,
Böckchen stößt so sehr.
Schenkt ihm Mutter einen Kuß:
sieh mal, nun weint's nicht mehr.


Häschen in der Grube

(mit Benutzung des Volkspiels)

Häschen in der Grube
saß und schlief,
kam der heilge Kuckdiguck
und bracht ihm einen Brief.
Häschen, bist du müde
oder bist du krank?
Steck doch deine Läufer raus,
ob du noch hüpfen kannst.
Und was stand geschrieben
in Kuckdiguckens Brief?
"Dem Kutscher, der nicht fahren kann,
geht der Wagen schief."


Hasenspiel

Hinter den Birken über den Rasen
huschen drei Hasen
an uns vorbei,
Springen über Busch und Dorn,
wollen ins junggrüne Winterkorn,
hocken da,
locken sich da,
laufen kreuz,
laufen quer,
hin und her,
als gäb's in der Welt keine Schrotflinte mehr.
Warte, in der Weihnachtszeit
kommen die drei Hasen ins Haus geschneit.
Den größten verschicken wir,
den zweitgrößten spicken wir,
der kleinste kommt ins Hundehaus
und steckt hinten sein Schwänzchen raus.


Drei Bäumchen

Jung jung drei Bäumchen
wachsen im Wiesengras,
jung jung drei Bäumchen
sagen mir was.
Das erste hat sich
so gequält,
hat alle seine siebentausend
Blättchen gezählt.
Das zweite trägt Pfläumchen,
schlicker-schleckerfein;
hätt es deine Zähnchen,
es äße sie allein.
Das dritte, das dritte
schüttelt sich bloß:
fallen lauter Blüten
in meinen Schoß.
Sag ich schön Dank,
geh ich nach Haus,
mach ich Rumpumpeln
ein Kränzchen draus.


Schabernack

Wenn ich in die Stube geh
und den Rumpumpel seh,
tanzen wir zwei
Ringeldireih,
lachen wir,
machen wir
Schabernack,
Huckepack,
Kätzchen spielt den Dudelsack,
macht Rumpumpel Hottehüh
nach der alten Melodie:
Miau, miau,
dem Kater seine Frau,
dem Kater seine grisegrimme
gritzegraue Frau.


Am Abend

Still.
Was bloß das Kätzchen will?
Es streicht um meinen Schoß herum,
das Schwänzchen hoch, den Buckel krumm,
Still
und weißt du, was es will?
Still.
Was bloß die Glucke will?
Sie lockt und lockt die kleine Brut
zum warmen Stall und deckt sie gut,
Still
und weißt du, was sie will?
Still.
Was bloß Rumpumpel will?
Die Augen macht er schon ganz klein
und gähnt und will genommen sein,
still
nun weißt du, was er will.



Gutenachtliedchen

Leise, Peterle, leise,
der Mond geht auf die Reise;
er hat sein weißes Pferd gezäumt,
das geht so still, als ob es träumt,
leise, Peterle, leise.
Stille, Peterle, stille,
der Mond hat eine Brille;
ein graues Wölkchen schob sich vor,
das sitzt ihm grad auf Nas' und Ohr,
stille, Peterle, stille.
Träume, Peterle, träume,
der Mond guckt durch die Bäume;
ich glaube gar, nun bleibt er stehn,
um Peterle im Schlaf zu sehn
träume, Peterle, träume.


Freund Husch

(von Paula und Richard Dehmel)



Husch, husch, husch,
ich schlüpfe aus dem Busch;
ich stecke mein Laternchen an,
ich zünde uns die Sternchen an,
husch.
Husch, husch, husch,
ich putze meinen Busch.
Der Mond ist da, der Mond ist hell;
der Mond, der ist mein Spielgesell,
husch.
Husch, husch, husch,
ich schüttel meinen Busch.
Die Kinderchen sind all zur Ruh,
ich schüttel ihnen Träume zu;
die haben wir vergangne Nacht,
der Mond und ich, uns ausgedacht,
husch, husch, husch,
im Busch.



Rumpumpels Geburtstag



Kräht der Hahn früh am Tage,
kräht laut, kräht weit:
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!
Guckt das Eichhörnchen runter:
Wenig Zeit, wenig Zeit!
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!
Kommt das Häschen gesprungen,
macht Männchen vor Freud:
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!
Steht der Kuchen auf dem Tische,
macht sich dick, macht sich breit:
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!
Und Vater und Mutter,
alle Kinder, alle Leut
schrein: Hoch der Rumpumpel,
sein Geburtstag ist heut!



Mutters Geburtstag


Leises Klopfen an der Türe:
Kann ich 'rein, Mama?
Frisch gewaschen, frisch gebügelt
steht Rumpumpel da.
Rosen in beiden Händchen;
wie der Kerl sich freut!
Kommt ans Bett, sagt: Guten Morgen,
Mutti Burtstag heut.
Vater putzt die große Stube,
die ist mächtig schön.
Lauter Blumen! Und die Torte!
Komm, zu Vati gehn!



Rumpumpel tanzt


Rumpumpel tanzt, Rumpumpel tanzt,
es blitzen seine Schuh;
der Kreisel und der Hampelmann
sehn verwundert zu.
Der Kreisel pufft den Hampelmann:
guck, Hans, was sagst du nur?
der Junge tanzt, der Junge tanzt
und sitzt an keiner Schnur.
Der Hampelmann zieht ein Gesicht
und schlenkert und sagt: puh,
auch eine Peitsche braucht er nicht,
tanzt doch so schön wie du.
Rumpumpel tanzt, Rumpumpel tanzt,
die liebe Sonne scheint;
der Kreisel und der Hampelmann
sind sich spinnefeind.



Kreiselliedchen

Herr Dreidel tanzt auf einem Bein
rundum, rundum,
kommt die dicke Marmelkugel,
rollt ihn um, rollt ihn um;
paß auf, Herr Dreidel!
Herr Dreidel tanzt auf einem Bein
rundum, rundum,
pfeift der Wind aus einer Ecke,
pfeift ihn um, pfeift ihn um;
steh auf, Herr Dreidel!
Herr Dreidel tanzt auf einem Bein,
peitsch di Hieb, peitsch di Hieb;
hopp hopp, wie springt das Brüderlein,
halt den Dieb, halt den Dieb,
heißa, Herr Dreidel!



Konzert

Musik, Musik, die Flöte kommt,
Rumpumpel tut's begreifen:
er horcht und hebt das Fingerchen,
fängt gleich an mitzupfeifen.
Musik, Musik, die Geige kommt,
die Geige tut fein klingen;
Rumpumpel hebt das Fingerchen,
fängt leise an zu singen.
Musik, Musik, der Brummbaß kommt,
ganz deutlich hört man's summen;
Rumpumpel hebt das Fingerchen,
tut wie 'ne Hummel brummen.
Das gibt ein herrliches Konzert,
ihr Kinder, kommt, ich bitte!
Drei Kirschen kost't der erste Platz,
und eine kost't die Mitte.
Hinten herum ist alles frei,
großmütig sind wir heute;
der Mohr, der Spitz, der Hampelmann
sind gar zu arme Leute.



Die ersten Höschen



Der Schneidermeister Piekenich
ist ein geschickter Mann,
er kommt und mißt dem Peterle
die ersten Hosen an.
Er nimmt sein Buch und Metermaß,
schreibt sich die Zahlen auf;
und wenn der Bub nicht stille steht,
kriegt er eins hinten drauf.
"Du lieber Meister Piekenich,
mach die Hosen recht schön!
Ich will ja unter den Linden
damit spazieren gehn.
Und alle kleinen Jungens
gucken nach mir hin
und sehn an meinen Höschen,
daß ich auch ein Junge bin."



Der kleine Sünder

(von Paula und Richard Dehmel)


Gestern lief der Peter weg,
spinnefix verstohlen.
Setzt sich Mutter den Bänderhut auf:
wart, ich will dich holen.
Sausepeter,
Flausepeter,
kleiner Sünder, wo bist du?
Hahnematz steht auf der Wiese,
"Kiek ins Grüne" kräht er;
sag mir, bunter Kikeriki, wo ist unser Peter?
Bummelpeter,
Schummelpeter,
kleiner Sünder, wo bist du?
Wie sie sich im Garten umguckt,
ist er nicht zu sehen,
bleibt sie neben dem Spargelbeet
unterm Pflaumbaum stehen.
Aber Peter,
nirgends steht er;
kleiner Sünder, wo bist du?
Hört sie etwas lachen, horch
oben aus dem Baume;
sitzt der Peter seelenvergnügt,
pflückt sich eine Pflaume.
Wirft ein Steinchen,
schwenkt die Beinchen,
wupptich : Mutter, da bin ich!



Flutschpeter

Flutschpeter lief nie gradeaus;
ja, und warum? Er lief
getreulich seiner Nase nach,
und die, ja die war schief.




Die Trommelpartie



Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
er trommelt: wer will mit?
Kommt das Kätzchen
Mausemätzchen,
das will mit.
Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
er trommelt: wer will mit?
Kommt das Hündchen
Belleinstündchen,
das will mit.
Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
er trommelt: wer will mit?
Kommt das Schweinchen
Rosenfeinchen,
das will mit.
Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
er trommelt: wer will mit?
Kommt der Bär
Brummesehr,
der will mit.
So geht's im Trab,
bergauf, bergab,
durch Dünn und Dick,
durch Schlamm und Schlick;
Rumpumpel schlägt die Trommel.
Das Kätzchen maut,
das Hündchen bellt,
das Schweinchen quiekt,
der Bär brummt: was 'ne dumme Welt!
Rumpumpel schlägt die Trommel.


Rumpelreim

Ride-bide-Bummstock fing 'ne Maus,
Ride-bide-Bummstock ließ sie wieder raus;
Ride-bide-Bummstock, du bist dumm,
die Mäuse sind 'n Rackerpack, das bringt man um.




Das Karnickel

Hans Wackelohr, Hans Wackelohr,
was bist du heut so still?
Sieh her, ich habe Kohl für dich,
sitz doch nicht gar so feierlich!
Hans Wackelohr, Hans Wackelohr,
wie kommst du mir heut vor!
Hans Schnupperschnut, Hans Schnupperschnut,
ist dir dein Haus zu eng?
Ein Weilchen darfst du aus dem Stall,
bloß friß mir nicht die Knospen all!
Hans Schnupperschnut, Hans Schnupperschnut,
bist mir nun wieder gut?


Lektion


Hühner, wollt ihr wohl artig sein!
hübsch langsam essen und nicht so schrein!
Müßt ihr denn immer zanken und beißen?
euch um jedes Körnchen reißen?
Pfui, dicke Henne, abscheuliches Tier,
du ißt ja für vier.
Weg! hörst du nicht? du sollst dich trollen!
Die niedlichen kleinen Küken wollen
auch mal heran an das schöne Futter.
Wenn du nicht hörst, sag ich's der Mutter;
die fängt dich ein und macht dich tot,
dann essen wir dich zum Mittagbrot.



Lied des Hühnchens

Tuck - tuck - heut ist Regentag,
und ich muß mich plagen;
kratze schon acht Stunden, tuck,
und noch knurrt mein Magen.
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.
Tuck die Enten, tuck die Enten,
Enten sind doch Narren;
gehn ins Wasser, tuck ins Wasser,
als könnte man da scharren.
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.
Pferde, tuck tuck tuck, und Kühe
haben große Köpfe,
aber keine Kröpfe, tuck;
traurige Geschöpfe!
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.
Tuck, wie war der Hahn galant,
suchte mir manch Krümchen;
heute geht er, tuck tuck tuck,
mit Cochinchina-Mühmchen.
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.
Tuck, du fetter Regenwurm,
dich muß ich noch ergattern;
schimpft nur, tuck, vor Neid, tuck tuck,
Muhmen und Gevattern!
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.
Tuck, wär ich doch endlich satt,
tuck, das wär ein Segen;
muß Rumpumpeln, tuck tuck tuck,
sein Frühstücks-Ei noch legen.
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
ach, wann hat man wohl genug?



So sieht unsre Wirtschaft aus

Unser Müller hat ein Mühlenhaus,
mi-ma-Mühlenhaus,
kommt Korn hinein und Mehl heraus,
mi-ma-Mehl heraus;
Mühlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.
Unser Bäcker, der backt weiße Wecken,
wi-wa-weiße Wecken,
und braunes Brot und Streußelschnecken,
stri-stra-Streußelschnecken;
weiße Wecken, Streußelschnecken,
Mühlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.
Unser Schlächter schlacht't ein feistes Schwein,
fi-fa-feistes Schwein,
und pökelt Wurst und Schinken ein,
schi-scha-Schinken ein;
feistes Schwein, Schinken ein,
weiße Wecken, Streußelschnecken,
Mühlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.
Unsre Mutter hat 'ne bunte Kuh,
bi-ba-bunte Kuh,
die gibt uns Milch und Butter dazu,
bi-ba-Butter dazu;
bunte Kuh, Butter dazu,
feistes Schwein, Schinken ein,
weiße Wecken, Streußelschnecken,
Mühlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.
Unsre Henne macht ein laut Geschrei,
li-la-laut Geschrei,
und legt dabei ein frisches Ei,
fri-fra-frisches Ei;
frisches Ei, laut Geschrei,
bunte Kuh, Butter dazu,
feistes Schwein, Schinken ein,
weiße Wecken, Streußelschnecken,
Mühlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus. 
Rumpumpel ist ein kluges Kind,
kli-kla-kluges Kind,
das fragt nicht viel und ißt geschwind,
i-a-ißt geschwind;
kluges Kind, ißt geschwind,
frisches Ei, laut Geschrei,
bunte Kuh, Butter dazu,
feistes Schwein, Schinken ein,
weiße Wecken, Streußelschnecken,
Mühlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.


I have one room (guest bedroom) that is decorated in this fashion .... Victorian, Mother and Child pictures, Mother and Child figurines, articles of Victorian clothing displayed, Such a sweet room! C: (  Mother and Child - vintage photo, 1900-1919):

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