Mittwoch, 19. April 2017

AN DIE NATUR - von Betty Paoli




AN DIE NATUR 


von  Betty Paoli 
(1814 - 1894), Pseudonym für Barbara Elisabeth 

 Es pfleget die gedankenlose Gilde,
 Zum Jubel stets bereit wie zum Verzagen,
 Jetzt kalter Grausamkeit dich anzuklagen,
 Und wieder dann zu preisen deine Milde.

 Sie messen dich nach ihrem eig'nen Bilde
 Und können sich des Wahnes nicht entschlagen,
 Daß Lieb' und Haß, wie sie im Herzen tragen,
 Bald segne, bald verwüste ihr Gefilde.

 O Thorheit, Strenge, Huld dir anzudichten!
 Du kennst nur der Notwendigkeit Gesetz,
 Und bleibst ihm treu beim Schaffen und Vernichten.

 Ob Heil, ob Fluch in deines Mantels Falten
 Sich berge, Ewige! mir bist du stets,
 Was einst das Fatum war den frommen Alten.






GLUCK DER LIEBE - von Charlotte von Ahlefeld






GLUCK DER LIEBE 


von Charlotte von Ahlefeld


Einem Schmetterlinge gleicht die Liebe;
 Wie er flatternd über Blumen schwebt,
 So entflieht sie oft auf leichten Schwingen,
 Und nur selten kehrt sie uns zurück.

 Um gewaltsam ihre Flucht zu hemmen,
 Strebt das kranke Herz mit leisem Weh;
 Möcht' ihr gern die raschen Flügel binden,
 Gern sie bannen in der Treue Kreis.

 Aber wie des Schmetterlinges Farben
 Selbst in zarten Händen untergehn,
 So vernichten Fesseln auch die Reize,
 Die der Liebe freie Regung schmücken.

 Darum öffne ihrem kurzen Glücke
 Willig und geniessend Geist und Herz;
 Aber will es wankelmüthig weichen
 Trauere dann - doch halt es nicht zurück !