Dienstag, 10. Januar 2017

WINTER - von Maria Janitschek


 


WINTER

von  Maria Janitschek 


 Halt ich sacht auf weißem Felde,
 Märchen sinnend, stillerlauschten,
 Ist's, als ob zu meinen Häupten
 Nahe Flügelschläge rauschten.

 Ist es mir, als ob der Schneewind
 Warme Blumendüfte brächte,
 Blumenduft von tausend Beeten,
 Aus der Glutpracht fremder Nächte.

 Behend eil' ich in den Garten,
 Wo die Bäume silbern stehn,
 Um in zitterndem Erwarten
 Nach den Zweigen aufzuseh'n.

 Streif den Schnee von ihnen zärtlich
 Der sie in sein Weiß versteckt,
 Und erblick, o lieblich Wunder!
 Junge Äuglein, schlafbedeckt.

 Frühling! Nach des Sommers Abschied
 Nahst du schon mit leisen Küssen,
 Und es gibt gar keinen Winter,
 Und kein kaltes Sterbenmüssen.

 Streift den Schnee nur von den Dingen,
 Drunter grünen neue Triebe,
 Und ihr spürt des Lebens Jugend
 Und die Urkraft seiner Liebe.


 



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