Dienstag, 12. Juli 2016

ABSEITS - von Theodor Storm




ABSEITS  


 Es ist so still; die Heide liegt
 Im warmen Mittagssonnenstrahle,
 Ein rosenroter Schimmer fliegt
 Um ihre alten Gräbermale;
 Die Kräuter blühn; der Heideduft
 Steigt in die blaue Sommerluft.


 Laufkäfer hasten durchs Gesträuch
 In ihren goldnen Panzerröckchen,
 Die Bienen hängen Zweig um Zweig
 Sich an der Edelheide Glöckchen,
 Die Vögel schwirren aus dem Kraut -
Die Luft ist voller Lerchenlaut.


 Ein halbverfallen niedrig Haus
 Steht einsam hier und sonnbeschienen;
 Der Kätner lehnt zur Tür hinaus,
 Behaglich blinzelnd nach den Bienen;
 Sein Junge auf dem Stein davor
 Schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.


 Kaum zittert durch die Mittagsruh
 Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten;
 Dem Alten fällt die Wimper zu,
 Er träumt von seinen Honigernten.
 - Kein Klang der aufgeregten Zeit
 Drang noch in diese Einsamkeit.


Theodor Storm 
(1817 - 1888)








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