Dienstag, 17. Mai 2016

MELANCHOLIE DES ABENDS - von Georg Trakl

 



MELANCHOLIE DES ABENDS

von  Georg  Trakl


Der Wald, der sich verstorben breitet

Und Schatten sind um ihn, wie Hecken.

Das Wild kommt zitternd aus Verstecken,

Indes ein Bach ganz leise gleitet

Und Farnen folgt und alten Steinen

Und silbern glänzt aus Laubgewinden.

Man hört ihn bald in schwarzen Schlünden

Vielleicht, daß auch schon Sterne scheinen.

Der dunkle Plan scheint ohne Massen,

Verstreute Dörfer, Sumpf und Weiher,

Und etwas täuscht dir vor ein Feuer.

Ein kalter Glanz huscht über Straßen.

Am Himmel ahnet man Bewegung,

Ein Heer von wilden Vögeln wandern

Nach jenen Ländern, schönen, andern.

Es steigt und sinkt des Rohres Regung.



Nata Vi





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