Donnerstag, 12. Mai 2016

JAKOBS HAUS von H.A. Guerber (aus " Märchen und Erzählungen für Anfänger - 1897)

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Es war einmal ein Mann, der Mann war gut, der Mann hieß Jakob. Der Mann Jakob sagte: »Ich muß ein Haus haben. Ich muß ein gutes Haus haben. Ja, ich muß ein gutes, neues Haus haben.« Der Mann Jakob baute ein Haus. Das neue Haus war groß. Das neue Haus war auch schön. Dann sagte Jakob: »Ich habe ein gutes, neues Haus. Mein Haus ist auch schön. Aber mein gutes, neues Haus ist leer. Ich muß Korn haben.« Jakob kaufte Korn. Er (Jakob) kaufte viel Korn. Das Korn war im Hause, das Jakob gebaut hatte. Jakob sagte: »Das ist gut! Ich habe viel Korn, gutes Korn, in meinem Hause!«

Es war einmal eine Maus, die Maus war klein, aber die Maus war hungrig, sehr hungrig. Die kleine Maus sagte:
»Ich bin hungrig, ach, ich bin so hungrig! Jakob hat Korn in seinem neuen Hause. Ich will in das Haus gehen. Ich will das Korn fressen!«

Die Maus ging in Jakobs Haus. Die Maus fand das Korn. »Gut!« sagte die Maus. »Hier ist gutes Korn. Hier kann ich fressen, so viel ich will. Oh das ist gut, sehr gut!«

Die Maus war sehr hungrig, und fraß viel Korn.

Jakob hatte eine Katze. Die Katze war groß. Die Katze war auch hungrig. Die Katze sagte: »Ich bin so hungrig, wo ist eine kleine Maus? Ich will eine kleine Maus fressen!«

Die Katze sah die kleine Maus, die das Korn in Jakobs Haus fraß, und sagte: »Ach! da ist eine schöne, kleine Maus. Ich will die Maus fressen.« Die Katze fing die Maus, und die Maus sagte: »Ach liebe Katze, ich bin so klein, laß mich leben, laß mich leben!

»Nein!« sagte die Katze. »Nein! du hast das Korn in Jakobs Haus gefressen, du mußt sterben, kleine Maus, du mußt sterben!«

»Ach!« sagte die kleine Maus. »Ich war so hungrig, liebe Katze! Ich habe nicht viel Korn gefressen. Ich will nicht sterben!«

»Du mußt sterben!« sagte die Katze. Und die böse Katze fraß die kleine Maus.

Jakob hatte einen Garten. Der Garten war schön. Die Katze sagte: »Ich will in den Garten gehen!« Die Katze ging in den Garten und legte sich in die warme Sonne. »Ach!« sagte die Katze. »Die Sonne ist so warm und gut!«

Aber da kam ein Hund, ein großer Hund. Es war Jakobs Hund. Der Hund sah die Katze. »Ach!« sagte der Hund, »da ist eine Katze. Die Katze liegt in der warmen Sonne. Das ist gut! Ich will die Katze plagen!«

Der Hund kam sehr still und sagte: »Katze, Katze, hier bin ich! Ich will dich plagen, liebe Katze!«

Die Katze sprang auf einen Baum, und der Hund stand am Fuße des Baumes und bellte. Er bellte so laut, daß die arme Katze sich fürchtete.

»Ach!« sagte die arme Katze, »der Hund ist so groß! der Hund bellt so laut! Ich fürchte mich, ich fürchte mich sehr!«

Da kam Jakobs Kuh. Die Kuh hatte lange Hörner. Die Kuh sah den Hund im Garten. Die Kuh sah die Katze auch. Die Kuh sagte: »Ach! da ist der böse Hund. Der Hund plagt die Katze. Die Katze hat die Maus gefressen. Die Maus hat das Korn gefressen, das Korn, das in Jakobs neuem Hause war.«

Dann sagte die Kuh: »Ich will in den Garten gehen. Ich will den bösen Hund plagen, er hat die Katze geplagt, ich will ihn (den Hund) plagen!«

Die Kuh kam in den Garten und plagte den armen Hund, und die Katze sprang vom Baume und ging in das Haus, in das schöne, neue Haus, das Jakob gebaut hatte.

Da kam ein Mädchen. Das Mädchen war schön, sehr schön, aber das Mädchen war traurig, sehr traurig, und es weinte viel, sehr viel.

»Ach!« sagte das Mädchen. »Ich bin traurig, sehr traurig.
Ich muß weinen, viel weinen! Ich habe keinen Vater. Ich habe keine Mutter. Ich habe keinen Bruder. Ich habe keine Schwester und keinen Freund. Ach! ich bin traurig!«

Das Mädchen sagte: »Wo ist meine Kuh, meine schöne, braune Kuh? Ich muß die Kuh melken. Jakob will Milch haben!«

Das Mädchen kam in den Garten. Das Mädchen sah die Kuh.

»Ach!« sagte es, »da ist meine schöne, braune Kuh. Meine Kuh plagt den Hund. Der Hund plagt die Katze. Die Katze hat die Maus gefressen. Die Maus hat Jakobs Korn gefressen. Jakob hat das Korn gekauft. Das Korn war im Hause, im schönen, neuen Hause, das Jakob gebaut hat.«

Das Mädchen kam zu der Kuh. Die Kuh stand still. Der Hund sprang in das Haus, in Jakobs neues Haus.

Das traurige Mädchen sagte: »Gute Kuh, ich muß dich melken. Jakob will Milch haben, gute, süße Milch. Du mußt still stehen, gute Kuh.«

Die Kuh stand still. Das Mädchen molk die Kuh. Da kam ein junger Mann. Der Mann war jung und schön, aber der Mann war arm, sehr arm. Er kam in den Garten und sah das Mädchen.

»Ach!« sagte der arme, junge Mann, »da ist ein schönes Mädchen. Aber das Mädchen ist traurig, es muß weinen, viel weinen. Es hat weder Vater noch Mutter, weder Bruder noch Schwester, weder Freund noch Haus. Es muß die Kuh mit den langen Hörnern melken, die böse Kuh, die den
Hund plagte. Der Hund hat die Katze geplagt, aber die Katze hat die Maus gefressen. Die Maus hat das Korn gefressen, das gute Korn, welches (das) Jakob gekauft hat und welches in seinem neuen Hause war.«

Dann kam der arme Mann und sagte zu dem Mädchen: »Schönes Mädchen, Sie sind traurig, Sie weinen, weil Sie die Kuh melken müssen. Sie haben weder Vater noch Mutter, weder Bruder noch Schwester, weder Freund noch Haus. Kommen Sie mit mir. Ich bin arm, aber ich liebe Sie. Wollen Sie meine Frau sein, liebes Mädchen?«

»Ach ja !« sagte das Mädchen, und es war nicht mehr traurig und weinte nicht mehr, denn es liebte einen guten Mann.

Der Mann sagte: »Kommen Sie, liebes Mädchen, wir wollen zu dem Priester gehen. Der Priester ist gut, sehr gut. Der Priester hat ein Buch, ein kleines Buch. Es (das Buch) ist ein Gebetbuch, und der Priester wird uns bald, sehr bald trauen. Kommen Sie, liebes Mädchen, kommen Sie.«

Das Mädchen sagte: »Ja,« und ging mit dem armen Manne zu dem Priester.

Der Priester war in seinem Hause. Das Haus war klein, sehr klein. Der Priester war im Bett. Der Priester schlief. Der Priester hatte einen Hahn. Der Hahn war im Garten, und der Hahn krähte laut, sehr laut. Der Hahn krähte jeden Morgen, und jeden Morgen weckte er den Priester mit seinem lauten Krähen.

Der Hahn krähte laut diesen Morgen, und der Priester wachte auf. Er wachte früh auf, sehr früh.

Der Priester nahm sein kleines Buch, sein Gebetbuch, und ging in die Kirche (Gotteshaus). Die Kirche war schön und klein. In der Kirche standen der schöne, junge Mann und das schöne Mädchen.

Der junge Mann sagte zu dem Priester: »Guter Priester, nehmen Sie Ihr Gebetbuch. Hier ist das schöne, junge Mädchen, und hier bin ich. Wir wollen Mann und Frau sein. Trauen Sie uns, guter Priester, trauen Sie uns.«

»Gut,« sagte der Priester, »ich will euch trauen !« und der gute Priester nahm sein kleines Gebetbuch und traute den armen jungen Mann und das schöne Mädchen. Sie waren Mann und Frau.

Dann sagte der Priester: »O, es war gut, sehr gut, daß mein Hahn so laut krähte und mich so früh aufweckte !

Ja,« sagte der junge Mann, »es war sehr gut. Sie wachten auf, und Sie kamen hierher in die Kirche, und trauten mich mit dem traurigen Mädchen. Das Mädchen weinte und molk die braune Kuh. Die braune Kuh plagte den bösen Hund. Der böse Hund plagte die Katze. Die Katze fraß die kleine Maus. Die Maus fraß das gute Korn, das Korn, das Jakob kaufte. Das Korn war im Hause, in dem schönen, neuen Hause, das Jakob gebaut hatte.

Der junge Mann und das schöne Mädchen gingen nach Hause. Der Priester ging auch in sein Haus und sagte: »Ende gut, alles gut !


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