Montag, 11. Mai 2015

DER SCHEIDENDE SOMMER von Heinrich Heine




DER  SCHEIDENDE  SOMMER

von  Heinrich Heine


Das gelbe Laub erzittert,
Es fallen die Blätter herab;
Ach, alles, was hold und lieblich,
Verwelkt und sinkt ins Grab.

Die Gipfel des Waldes umflimmert

Ein schmerzlicher Sonnenschein;
Das mögen die letzten Küsse
Des scheidenden Sommers sein.


Mir ist, als müsst ich weinen

Aus tiefstem Herzensgrund;
Dies Bild erinnert mich wieder
An unsre Abschiedsstund'.

Ich musste von dir scheiden,

Und wusste, du stürbest bald;
Ich war der scheidende Sommer,
Du warst der kranke Wald.






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